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Was darf im Treppenhaus stehen? Schuhe, Kinderwagen, Fahrrad und Deko

Was darf im Treppenhaus stehen? Einen Kinderwagen oder Rollstuhl dürfen Mieter im Hausflur abstellen, wenn sie darauf angewiesen sind und der Flur groß genug ist. Für Schuhe, Schuhregale, Fahrräder und Deko entscheiden Mietvertrag und Hausordnung. Immer gilt: Das Treppenhaus ist der Rettungsweg des Hauses. Hier lesen Sie, was Gesetz und Rechtsprechung sagen und wie Verwaltungen vorgehen, wenn etwas im Weg steht.

Kurz beantwortet

Das Wichtigste in Kürze

Mieter dürfen die Gemeinschaftsflächen mitbenutzen, so wie es mit dem Wohnen üblicherweise verbunden ist. Einen Kinderwagen oder Rollstuhl dürfen sie im Hausflur abstellen, wenn sie darauf angewiesen sind und die Größe des Flurs es zulässt (BGH, Urteil vom 10.11.2006, V ZR 46/06). Alles andere regeln Mietvertrag und Hausordnung, in einer WEG die Beschlüsse der Eigentümer. Die Grenze ist der Rettungsweg: Die Treppe muss im Brandfall ausreichend lang nutzbar sein (§ 35 Abs. 1 BauO NRW). Eigenmächtig wegräumen oder entsorgen sollte die Verwaltung nichts; das kann verbotene Eigenmacht sein (§ 858 BGB).

Was darf im Treppenhaus stehen? Die Grundregel

Wer eine Wohnung mietet, darf auch die Gemeinschaftsflächen des Hauses mitbenutzen. Ohne besondere Vereinbarung umfasst das nach dem Bundesgerichtshof die übliche Benutzung und alle Umstände, die mit dem Wohnen typischerweise verbunden sind (Urteil vom 10.11.2006, V ZR 46/06, Entscheidungsgründe II. 2.). Wo die übliche Benutzung endet, bestimmen vor allem Mietvertrag und Hausordnung.

In einer Eigentümergemeinschaft ist jeder Eigentümer zum Mitgebrauch des gemeinschaftlichen Eigentums berechtigt, nach Maßgabe von § 14 WEG (§ 16 Abs. 1 Satz 3 WEG). Die Hausordnung beschließen die Eigentümer als Teil der ordnungsmäßigen Verwaltung, soweit keine Vereinbarung besteht (§ 19 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1 WEG).

Das Treppenhaus ist der Rettungsweg

Für Wohnungen, die nicht zu ebener Erde liegen, führt der erste Rettungsweg über die notwendige Treppe (§ 33 Abs. 2 BauO NRW). Von Ausnahmen wie kleinen Gebäuden der Gebäudeklassen 1 und 2 abgesehen, liegt diese Treppe in einem eigenen, durchgehenden Treppenraum. Er muss so angeordnet und ausgebildet sein, dass die Treppe im Brandfall ausreichend lang nutzbar ist (§ 35 Abs. 1). Die nutzbare Breite von Treppenläufen und Treppenabsätzen muss für den größten zu erwartenden Verkehr ausreichen (§ 34 Abs. 5).

Eine Liste verbotener Gegenstände enthält die Landesbauordnung nicht. Sie verlangt aber, dass Gebäude so instand gehalten werden, dass Leben und Gesundheit nicht gefährdet sind (§ 3), dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt wird und dass bei einem Brand die Rettung von Menschen und wirksame Löscharbeiten möglich sind (§ 14). Daraus folgt die Faustregel für jede Hausordnung: Was im Treppenhaus steht, darf den Weg nach draußen nicht verengen und sollte nicht leicht brennen.

Schuhe und Schuhregal vor der Wohnungstür

Ein Gesetz, das Schuhe vor der Wohnungstür erlaubt oder verbietet, gibt es nicht. Es entscheiden Mietvertrag und Hausordnung. Worauf es ankommt:

  • Schuhe dürfen niemanden zum Stolpern bringen, auch nicht im Dunkeln oder bei Rauch.
  • Sie dürfen Treppe und Podest nicht verengen.
  • Die Reinigung muss den Boden erreichen.

Nasse Schuhe tragen im Winter Wasser und Streugut auf die Stufen. Was dann hilft, steht im Ratgeber Treppenhausreinigung im Winter.

Ein Schuhregal oder Schuhschrank ist mehr als ein Paar Schuhe: ein Möbel, das dauerhaft Fläche im Rettungsweg belegt. Zum Schuhregal hat der Bundesgerichtshof, soweit ersichtlich, nichts entschieden. Ob es stehen darf, legt die Hausordnung fest; ohne Regel sollte es nur mit Zustimmung von Vermieter oder Verwaltung aufgestellt werden.

Kinderwagen, Rollstuhl und Rollator im Hausflur

Der Bundesgerichtshof hat festgehalten: Ein Mieter ist berechtigt, „einen Kinderwagen oder einen Rollstuhl im Hausflur abzustellen, wenn er hierauf angewiesen ist und die Größe des Hausflurs das Abstellen zulässt“ (V ZR 46/06, Entscheidungsgründe II. 2.). Beide Bedingungen müssen zusammenkommen.

Praktisch ist ein fester Platz, den die Hausordnung nennt, etwa ein Abstellraum oder eine Nische im Erdgeschoss, wo der Wagen den Weg nicht verengt. Rollatoren nennt das Urteil nicht. Weil sie wie ein Rollstuhl der Fortbewegung dienen, liegt es nahe, sie ebenso zu behandeln; die Hausordnung sollte sie ausdrücklich regeln.

Das Urteil betrifft Mieter. In einer WEG kommt es auf Vereinbarungen, Beschlüsse und die Hausordnung an, die jeder Eigentümer einhalten muss (§ 14 Abs. 1 Nr. 1 WEG).

Fahrrad, E-Scooter und Kinderfahrzeuge

Fahrräder, Roller und Kinderfahrzeuge nennt das Urteil des Bundesgerichtshofs nicht. Ob sie im Treppenhaus stehen dürfen, bestimmt die Hausordnung. Sie brauchen viel Platz und verengen auf Treppe oder Podest den Rettungsweg. Wo es einen Fahrradraum oder Keller gibt, sollte die Hausordnung sie dorthin verweisen. Ein Ladekabel quer über dem Podest ist außerdem eine Stolperfalle; das Laden im Treppenhaus sollte die Hausordnung ausschließen.

Fußmatte, Pflanzen und Weihnachtsdeko

Eine Fußmatte vor der Wohnungstür hält Schmutz von der Wohnung fern. Damit niemand stolpert, sollte sie flach aufliegen und nicht verrutschen; über Größe und Material kann die Hausordnung etwas sagen.

Für Pflanzen, Bilder und Deko gilt die Faustregel von oben. Kübel auf dem Podest verengen den Weg, Kränze aus Tannengrün, Stroh oder Papier brennen leicht. Offene Flammen wie Kerzen sollte die Hausordnung im Treppenhaus ausschließen; das folgt dem Gedanken von § 14 BauO NRW, der Entstehung eines Brandes vorzubeugen.

Wer zur Weihnachtszeit dekorieren möchte, stimmt das mit Vermieter oder Verwaltung ab, wählt schwer entflammbare Deko und hält Treppe, Podest und Handlauf frei. Treppen müssen einen festen und griffsicheren Handlauf haben (§ 34 Abs. 6 BauO NRW); Girlanden gehören deshalb nicht daran.

Gegenstände im Treppenhaus entfernen: So gehen Verwaltung und Vermieter vor

Steht etwas im Weg, führt der sichere Weg über Hinweis, Frist und notfalls rechtliche Schritte:

  1. Klären und ansprechen. Wem gehört der Gegenstand? Sprechen Sie die Person an und nennen Sie die Regel aus Hausordnung oder Mietvertrag.
  2. Schriftlich auffordern. Nennen Sie den Gegenstand, die Regel und eine angemessene Frist. Ein Muster steht unten.
  3. Abmahnen. Setzt ein Mieter den vertragswidrigen Gebrauch trotz Abmahnung fort, kann der Vermieter auf Unterlassung klagen (§ 541 BGB). In einer WEG muss jeder Eigentümer die Vereinbarungen und Beschlüsse einhalten; diese Pflicht besteht gegenüber der Gemeinschaft der Wohnungseigentümer (§ 14 Abs. 1 Nr. 1 WEG).
  4. Nicht eigenmächtig räumen. Wer einem Besitzer ohne dessen Willen den Besitz entzieht, handelt widerrechtlich, soweit das Gesetz es nicht gestattet (verbotene Eigenmacht, § 858 Abs. 1 BGB). Entsorgen Sie fremde Sachen deshalb nicht auf eigene Faust. Halten Sie den Zustand mit Datum und Foto fest, ohne Personen zu fotografieren.
  5. Bauaufsicht einschalten. Bleibt der Rettungsweg dauerhaft versperrt, ist die untere Bauaufsichtsbehörde Ansprechpartner, je nach Ort die Stadt oder der Kreis (§ 57 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 und Satz 2 BauO NRW). Sie wacht auch über die Nutzung und Instandhaltung von Gebäuden (§ 58 Abs. 2 BauO NRW).

Musterschreiben: Treppenhaus freihalten

Passen Sie das Muster an Ihre Hausordnung an, in einer WEG an die Beschlüsse der Gemeinschaft.

Betreff: Bitte halten Sie das Treppenhaus frei

Sehr geehrte Bewohnerinnen und Bewohner,

das Treppenhaus ist der Rettungsweg unseres Hauses. Im Brandfall müssen alle ohne Hindernisse nach draußen kommen, und die Feuerwehr muss hinein.

Bitte räumen Sie bis zum ____________ alles aus dem Treppenhaus, was nach der Hausordnung dort nicht stehen darf, insbesondere: ____________.

Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren, auf die Sie angewiesen sind, stellen Sie bitte an diesen Platz: ____________.

Bitte keine offenen Flammen im Treppenhaus.

Bei Fragen erreichen Sie uns unter ____________.

Mit freundlichen Grüßen
____________ (Vermieter oder Hausverwaltung)

Was das für die Treppenhausreinigung bedeutet

Je weniger im Treppenhaus steht, desto gründlicher lassen sich Stufen, Podeste und Ecken reinigen. Legen Sie im Reinigungsvertrag fest, wie mit Fußmatten und abgestellten Dingen umgegangen wird, etwa ob Matten angehoben und darunter gewischt wird. Wie oft ein Treppenhaus gereinigt werden sollte, erklärt der Ratgeber Wie oft sollte ein Treppenhaus gereinigt werden?; wer putzen muss, wenn keine Firma beauftragt ist, der Ratgeber Treppenhausreinigung durch Mieter.

Rechtsgrundlagen und Quellen

Stand der geprüften Gesetze und Urteile: 27.09.2026. Geprüfte Fassungen: BauO NRW zuletzt geändert durch Gesetz vom 21.07.2026, BGB zuletzt geändert durch Gesetz vom 23.07.2026, WEG zuletzt geändert durch Gesetz vom 10.10.2024.

Hinweis: Dieser Ratgeber gibt allgemeine Informationen wieder und ersetzt keine Rechtsberatung; maßgeblich sind Mietvertrag, Hausordnung und in einer WEG die Vereinbarungen und Beschlüsse der Gemeinschaft. Stand: 27.09.2026. Wie wir Treppenhäuser reinigen, lesen Sie auf der Seite Treppenhausreinigung.

Häufige Fragen

Häufige Fragen: Was darf im Treppenhaus stehen?

Darf ich Schuhe vor die Wohnungstür stellen?
Ein Gesetz dazu gibt es nicht; es entscheiden Mietvertrag und Hausordnung, in einer WEG die Beschlüsse der Eigentümer. Schuhe dürfen niemanden zum Stolpern bringen und den Weg auf Treppe und Podest nicht verengen, denn das Treppenhaus ist der Rettungsweg des Hauses (§ 35 Abs. 1 BauO NRW).
Darf der Kinderwagen im Treppenhaus stehen?
Ja, wenn der Mieter darauf angewiesen ist und die Größe des Hausflurs das Abstellen zulässt (BGH, Urteil vom 10.11.2006, V ZR 46/06). Dasselbe gilt nach dem Urteil für einen Rollstuhl. Sinnvoll ist ein fester Platz, den die Hausordnung nennt.
Darf ein Fahrrad im Treppenhaus stehen?
Das bestimmt die Hausordnung. Das Urteil des BGH zum Hausflur nennt nur Kinderwagen und Rollstuhl, keine Fahrräder. Weil Fahrräder viel Platz brauchen, gehören sie besser in Fahrradraum, Keller oder Wohnung.
Ist ein Schuhregal im Treppenhaus erlaubt?
Das regelt die Hausordnung; zum Schuhregal hat der BGH, soweit ersichtlich, nichts entschieden. Weil ein Regal dauerhaft Fläche im Rettungsweg belegt, sollte es nur mit Zustimmung von Vermieter oder Verwaltung aufgestellt werden.
Darf die Hausverwaltung Gegenstände aus dem Treppenhaus entfernen?
Nicht eigenmächtig. Wer einem Besitzer ohne dessen Willen den Besitz entzieht, handelt widerrechtlich, soweit das Gesetz es nicht gestattet (§ 858 BGB). Der sichere Weg ist eine schriftliche Aufforderung mit Frist, danach eine Abmahnung und notfalls die Klage des Vermieters auf Unterlassung (§ 541 BGB).
Ist Weihnachtsdeko im Treppenhaus erlaubt?
Das regelt die Hausordnung. Treppe, Podest und Handlauf müssen frei bleiben, und leicht brennbare Deko sowie Kerzen gehören nicht in den Rettungsweg. Stimmen Sie größere Deko mit Vermieter oder Verwaltung ab.
Aus der Praxis

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